Artensteckbrief "Flussseeschwalbe"

Flussseeschwalben sind Verwandte der Möwen. Vielen Möwenarten ähneln sie farblich mit ihrer hellgrauen Ober- und weiß oder grau überflogener Unterseite. Charakteristisch sind ein roter Schnabel mit dunkler Spitze und ein tief gegabelter Schwanz. Mit ihrem grazilen fast federnd anmutendem Flug und dem Gabelschwanz ähneln sie äußerlich manchen Schwalben, sind mit diesen stammesgeschichtlich aber nicht verwandt.

Flussseeschwalben ernähren sich überwiegend von kleinen bis 10 cm langen Fischen, die sie stoßtauchend in bis zu 30 cm Wassertiefe erbeuten.

Die Art nistet in Kolonien, deren Standorte sich in offenem, übersichtlichem Gelände in Wassernähe, gern an Grasbüscheln oder an anderen auffälligen Vertikalstrukturen, befinden. In der zweiten Aprilhälfte treffen die ersten Rückkehrer aus dem Winterquartier bei uns ein und beginnen Mitte Mai mit der Brut. Erstbrüter sind meist drei- oder vierjährig. Nach rund 23 Bruttagen schlüpfen zwei bis drei Küken, die nach weiteren etwa 24 Tagen flugfähig sind.

Die Kolonien der Flussseeschwalbe sind zahlreichen Gefahren ausgesetzt. Die größten Verluste erleiden die Küken in ihren ersten Lebenstagen bei mehrtägiger nasskalter Witterung durch Nahrungsmangel und Unterkühlung. An Binnengewässern führt Frühsommerhochwasser nicht selten zum Totalverlust der Brut. Eine erhebliche Gefahr kann auch von Fressfeinden wie Wanderratten und Krähen ausgehen.

Flussseeschwalben verlassen ihre traditionellen Koloniestandorte, sobald die Vegetation durch natürliche Sukzession zu dicht wird. So sind sie oft gezwungen, sich neue Brutplätze auf Kies- oder Schotterbänken an Fließgewässern und auf Inseln in Standgewässern zu suchen. Solche Standorte sind durch menschliche Eingriffe in unsere Landschaft rar geworden. Dies alles in Verbindung mit Störungen durch den Menschen hat dazu geführt, dass die Flusseeschwalbe bei uns zu den bedrohten Arten zählt.   

Ende Juli bis in die zweite Oktoberhälfte, überwiegend aber in der zweiten Augusthälfte, verlassen uns die Flussseeschwalben. Sie verbringen den Winter an der westafrikanischen Küste, aber auch weiter südlich bis Namibia.