11/2024 | NISTKASTENKONTROLLEN MIT DER AWR

Die Tage werden spürbar kürzer, das Wetter ungemütlicher und die Bäume werfen nach und nach ihr buntes Blätterkleid ab: Eigentlich eine gute Zeit, um es sich an einem Samstagmorgen zuhause mit einem Heißgetränk gemütlich zu machen, jedoch nicht für unsere engagierten Vereinsmitglieder!

Pünktlich um 09:00 Uhr trafen sich die fleißigen Helfer an der bereits seit zwei Jahrzehnten rekultivierten Deponie in Alt Duvenstedt, um dort gemeinsam mit Ralph Hohenschurz-Schmidt, Geschäftsführer der AWR Rendsburg-Eckernförde, die dort aufgehängten Nistkästen für Höhlenbrüter (z.B. Meisen, Sperlinge, Gartenrotschwanz) sowie Halbhöhlenbrüter (z.B. Hausrotschwanz, Bachstelze, Grauschnäpper und Zaunkönig) zu kontrollieren und zu reinigen. Ein Arbeitseinsatz mit Tradition: Seit mehr als 15 Jahren betreut der NHB in freundlicher Zusammenarbeit mit der AWR die Nistkästen an der ehemaligen Deponie in Alt Duvenstedt sowie am Hauptsitz der AWR RD-Eck in Borgstedt.

Doch wozu der Aufwand? Zum einen ist die Anzahl an verfügbaren Nistmöglichkeiten zu nennen: Auch wenn es in den letzten Jahren durchaus einen Wandel im Umgang mit alten Baumbeständen gegeben hat, erleichtern es die Nistkästen unseren heimischen Singvögeln einen geeigneten Aufzuchtsort für ihre Jungen zu finden - der Konkurrenzdruck auf bereits vorhandene, natürliche Baumhöhlen sinkt, die Chancen für mehr erfolgreiche Bruten steigen. Zudem bieten die beiden Standorte optimale Bedingungen: Die Vögel können weitestgehend ungestört brüten. Die eingezäunten Areale sind nur bedingt zugänglich und nicht so einem starken Besucherdruck wie in den lokalen Wäldern unterlegen. Die Wiesen der ehemaligen Deponie in Alt Duvenstedt werden nur schonend gemäht, wodurch sich dort deutlich mehr Insekten befinden und dadurch den brütenden Vögeln ein reich gedeckter Tisch präsentiert wird.

 

Ein anderer Aspekt ist die Hygiene: So gut wie alle Wildtiere tragen auch Singvögel eine Vielzahl an Parasiten und Krankheitserregern in und auf sich. Verbleibt das alte Nistmaterial in den Bruthöhlen, können diese sowohl auf die Altvögel als auch die frisch geschlüpften und noch sehr verletzlichen Küken übergehen. Der Eingriff in diesen durchaus natürlichen Prozess, der ansonsten zur Regulierung von Vogelbeständen beiträgt, ist dennoch gerechtfertigt, betrachtet man den massiven Rückgang vieler heimischer Vogelarten - bedingt durch den vom Menschen herbeigeführten Verlust an natürlichen Lebensräumen und Nahrungsgrundlagen.

Dass die Nistkästen nicht nur von Singvögeln genutzt werden, zeigen auch einige zuvor von Mäusen bewohnte Kästen. In einem Fall waren die Mieter sogar noch anwesend, durften jedoch weiter in ihrer Behausung bleiben... 

Bei anderen Kontrollen wurden teilweise weitere „Untermieter“ entdeckt, so zum Beispiel die Gebilde staatenbildender Insekten, wie Hornissen, Wespen und sogar Ameisen (bei einem Eisvogelkasten).

 

Nach getaner Arbeit wurden die Helfer des NHB von Ralph Hohenschurz-Schmidt mit einem warmen Mittagessen belohnt - ein schöner Ausklang für einen erfolgreichen Vormittag im Namen des Naturschutzes.

Von den knapp 90 kontrollierten Nistkästen wurden in der Brutsaison 2024 gut 2/3 von diversen Meisenarten, Sperlingen sowie Grauschnäppern genutzt. Dies lässt sich gut an den für die jeweiligen Vogelarten typischen Nestern erkennen. Dass nicht jede Brut ein Erfolg ist, zeigen auch einige zurückgelassene Eier - die Gründe sind vielfältig und mitunter natürlichen Ursprungs.

alle bilder von ©Marc Jeworrek